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Warum die Gestaltung von Aufenthaltsräumen in Pflegeheimen so wichtig ist

Ein Aufenthaltsraum sollte farblich harmonisch und mit entsprechender Möblierung einladend gestaltet sein, darüber sind sich alle einig. Aber die Gestaltung der Räume hat mehr Auswirkungen auf das Befinden der Bewohner, als man sich im ersten Moment klar macht.

Dazu müssen wir kurz zurück an den Anfang unserer Evolution.

Die ersten Menschen lebten in der Natur, eine Höhle oder einen Unterschlupf brauchten sie nur zum Schlafen und zum Schutz vor Wind und Wetter. Die Sinne wurden durch das Naturerleben mit ausreichend Stimuli (Reizen) versorgt, diese Reize sind für unsere Sinne genauso wichtig wie Nahrung für unseren Körper.

Auf dieses Leben sind wir im Grunde heute noch angepasst. Aber wir leben nicht mehr in der Natur, sondern größtenteils in geschlossenen Räumen. Wenn der Körper Nahrung braucht, bekommen wir Hunger, leider haben wir aber kein vergleichbares Alarmsystem unserer Sinne, wenn es ihnen an „Nahrung“ fehlt.

 

Unsere Innenräume weisen oft eine Unterversorgung mit Stimuli auf. Dies kann z.B. zu Unwohlsein, innerer Unruhe, Gereiztheit oder kognitiven Beeinträchtigungen führen. Doch kaum jemand vermutet die Gestaltung der Innenräume, mit einem Mangel an Sinnesreizen hinter diesen Symptomen. Es werden andere Gründe gesucht und gefunden, obwohl die Innenräume ihren Anteil daran haben. Wir brauchen eine naturnahe Umgebung, sei es ein Garten oder Park, der Ausblick ins Grüne und wenn dies nicht möglich ist, wenigstens Zimmerpflanzen und eine entsprechende Vielfalt an Materialien und Farben.

 

Gerade für Menschen im Pflegeheim, die wenig mobil sind und sich die meiste Zeit in denselben Innräumen aufhalten, ist das ein nicht zu unterschätzender Faktor. Deshalb sollten die Aufenthaltsräume möglichst ein angemessenes, also der Natur ähnliches Stimulationsniveau bieten. Das heißt nun nicht, ein buntes Durcheinander zu veranstalten, sondern ein abgestimmtes Maß an Farben, Materialien, Naturelementen oder Ausblicken und Lichtstimmungen, um einige Beispiele zu nennen.

 

Schön ist es, einen Blick ins Grüne zu ermöglichen, vielleicht in einen Park oder Garten, der auch betreten werden kann, so erweitert sich der Wahrnehmungsraum.
Naturnahe Materialien bei den Möbeln und der Wandgestaltung ermöglichen verschiedene optische und auch haptische Eindrücke.

Eine biodynamische Beleuchtung in Fluren und Aufenthaltsbereichen, die den Sonnenlauf simuliert, kann den circadianen Rhythmus regulieren und den Tagesablauf strukturieren, was bestenfalls zu einer ausgeglicheneren Stimmung, Aktivität am Tag und besserer Schlafqualität führen kann.

 

Besonders wertvoll sind verschieden gestaltete Aufenthaltsbereiche im Freien und im Gebäude, so können die Bewohner selbst entscheiden, wo sie sich am liebsten aufhalten und damit kann sowohl ihre Mobilität unterstützt, als auch ihre Selbstbestimmheit erhalten und respektiert werden.

 

In dieser Weise gestaltete Innenräume können gezielt auf die Bedürfnisse der Bewohner eingehen und tragen zum Wohlbefinden und zur Stressreduktion bei. Auch das Pflegepersonal profitiert, denn ein gut gestalteter Arbeitsplatz, der die Pflegekräfte unterstützt wird sich positiv auf die Motivation, Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit auswirken und kann auch den Krankenstand und die Fluktuation senken.

 

Als Innenarchitektin und Expertin für Wohn- und Architekturpsychologie beschäftige ich mich damit, wie Räume und Gebäude auf unser Denken, Fühlen und Handeln wirken und wie wir sie gestalten können, damit sich die Bewohner darin wohl fühlen und bestmöglich entwickeln können.

Wenn Sie Unterstützung bei der Planung oder Gestaltung Ihrer Räume wünschen, spezielle Fragen haben oder an einer humanwissenschaftlichen Qualitätsanalyse Ihres Gebäudes oder Ihrer Planung interessiert sind, kontaktieren Sie mich unverbindlich.

Ich freue mich auf ein Gespräch mit Ihnen.

Ihre
Nina Marggraf